immer mehr menschen sitzen zu nachtschlafener stunde am computer. es ist ja so herrlich unkompliziert, unterhaltsam und risikolos, anderen per web die eigene meinung mit verve «aufs auge zu drücken», wenn keiner zuschaut. freunde schafft man sich damit wahrscheinlich keine, dafür aber zustimmung bei seiner «fangemeinde».
zum immer beliebter werdenden spiel «kommentar verfassen» gehört bei sf tv unter anderem auch ein ranking, mit dem man durch «zustimmen» oder «ablehnen» der jeweiligen zuschrift entsprechendes gewicht verleihen kann. das warum-man-dafür-oder-dagegen-ist spielt dabei kaum mehr eine rolle.
das problem dabei ist weniger, wie von spiegel-online angemahnt, dass beschimpfungen zunehmen, die hemmschwellen immer tiefer sinken, der anstand ins bodenlose zu stürzen droht. mehr sorge sollten wir uns über die veränderungen machen, die mit diesem verhalten einher gehen.
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da selbst kantonsschulen gerne aus wikipedia zitieren, tun wir es hier (ausnahmsweise) auch:
die verve [vɛrv(ə)] bezeichnet künstlerische, kreative leichtigkeit und symbolisiert ein allgemein positives, beschwingtes lebensgefühl. der deutsche begriff wird im speziellen für schwung (mental), ideenreichtum und begeisterung im künstlerisch anspruchsvollen kontext verwendet und führt auf einen altromanischen ausdruck für talent und schaffenskraft in der schriftstellerei zurück. er gelangte insbesondere durch kurt tucholskys gedicht «das ideal» weiträumig in den deutschen sprachgebrauch, vor allem in bohemen künstlerkreisen auch ausserhalb der Literatur.
alles klar?
wir zählen uns weder zu den «bohemen künstlerkreisen» noch haben wir für solch antiquiertes gehabe irgendwelches verständnis, liebe wikipedia. nicht alles ist gold was glänzt, und nicht alles sollte bei dir zum nennwert genommen werden.
der sachverhalt «mit verve» lässt sich doch am ehesten mit einer analogie erklären, mit dem buchtitel von stefan schmitzer: wohin die verschwunden ist, um die es ohnehin nicht geht.*
Jeder und jede versteht ganz etwas anderes, wenn es um die eigene «befindlichkeit» geht.
sorry!
*2009, droschl graz-wien
ISBN 978-3-85420-754-2