Buddha
Stephanie Glaser
im kleinen bändchen von michael krügers diderots katze habe ich bei den liebesgedichten eines gefunden, das will mir nicht mehr aus dem kopf.

es beschreibt – wenn auch in anderem zusammenhang geschrieben – exakt jenen zustand im altersheim, bei dem es nur noch ums absitzen der tage geht, um langweiliges essen, um alters- und abnutzungserscheinungen, um fortschreitende demenz, ums warten auf den tag, wo man der welt den rücken kehren darf.

nur wenigen ist es vergönnt, sein leben wie stephanie glaser bis ins hohe alter selbstbestimmt und aktiv verbringen zu können. unser bild: szene aus ihrem letzten film «mord hinter dem vorhang».
war das dein wunsch,
dass ich hier blöde sitze
und nicht herauskomm'
aus der schlechten luft
des sonntags?
ich habe schon begonnen
nichts zu sagen,
das schweigen hält sich
krampfhaft beide ohren zu
und sieht, als stummfilm,
wie die tränen rücksichtslos
aus alten briefen klatschen.
wenn das dein wunsch war,
so ist er erfüllt: das wetter
sieht mit rührung zu
wie sich die füsse
durcheinandermischen –
und lässt es regnen,
wie es sich gehört:
am ende.


liebesgedicht 4: sonntag
michael krüger
diderots katze
gedichte
hanser verlag, 1978
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