Buddha
der spitalacker in bern, zwischen viktoriaplatz (wo ich am morgen jeweils mein postfach leerte), und dem breitenrainplatz, wo es ein riesiges coopcenter gab, hat mit einer kleinen episode angefangen.

die wohnung im vierten stock war explizit so ausgeschrieben, dass sie nur an ein kinderloses ehepaar vermietet würde. «kinderlos» wäre noch zu erfüllen gewesen, «ehepaar» jedoch nicht.

am selben tag, an dem die anzeige im «bund» erschien, war ich bei meinen nachbarn unseres hauses am sulgenbachrain zum nachtessen eingeladen. dabei haben wir beim essen darüber diskutiert, wie schwierig es ist, in bern ein geeignetes und bezahlbares logis zu finden, vor allem für junge menschen. nach mehreren erfolglosen anläufen weiss man schliesslich, wie der hase hoppelt, nämlich generell in die falsche richtung.

die mama von romy und christine, der ich zu einladungen jeweils «mon chérie» oder «ferrero küsschen» mitbrachte, und die zusammen mit ihren beiden töchtern etwas «okkult» veranlagt war, war schon länger der Ansicht, dass «hans» (mit wunderschönem welschem akzent ausgesprochen) was besseres als die mansarde im oberen stock verdient hätte. auf dem dekokamin lag unter anderem eine kristallkugel, die man nicht berühren durfte, mit einem magischen auge vom heiligen geist, und der darüber platzierte, dunkle, fast zwei meter grosse und in öl gemalte grossvater hatte die tendenz einem nachzuschauen, egal, wo man sich im Raum befand.
zu viert sind wir auf die idee gekommen, man könnte doch versuchen, dem glück etwas nachzuhelfen, die anzeige würde sich dafür geradezu anbieten.

am andern morgen war ein termin zur wohnungsbesichtigung vereinbart. armin, der verlobte von romy, stellte mir dazu seinen ring zur verfügung.

nachmittags sassen romy und ich auf louis-quinze-stühlen in einer altbauwohnung mit einem fast raumhohen, wunderschönen bogenfenster in der küche, diagonal verlegtem felderparkett in allen zimmern, riesigen, im typischen beige jener zeit gestrichenen wandschränken und einem kleinen, im walmdach eingelassenen windgeschützten balkon, auf dem sich herrlich gärtnern liess. dass das logis mit einer ölbetriebenen etagenheizung versehen war, die eine menge probleme verursachte, stellte sich erst später heraus, war dem kaminfeger aber bekannt.

uns gegenüber sass eine mit klunkern schwer behangene ältere dame, die absolut ins bild einer madame de meuron passte, und ständig allerlei «lebensweisheiten» von sich gab.

der auftritt von uns beiden muss absolut überzeugend gewesen sein, jedenfalls war der mietvertrag noch gleichentags unterschrieben. als dankeschön habe ich romy und armin ihre hochzeit fotografiert. dass romy zum zeitpunkt der wohnungssuche bereits schwanger war, hat sie erst ein paar wochen später heraus gerückt.
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